Es war nur ein kurzer Moment und das Leben von Knut Jordan war auf den Kopf gestellt. 38 Jahre sitzt er nun schon im Rollstuhl. Ein Sportunfall hat ihn in diesen gebracht. Doch Resignation ist ein Fremdwort für den Mann aus Stadecken. Der studierte Diplom-Soziologe und -Betriebswirt widmete sich nach seinem Unfall umgehend der Behindertenarbeit. Und bis heute ist er mit großem Erfolg dabei geblieben. Knut Jordan ist Beauftragter für die Belange mobilitätseingeschränkter Menschen des Landkreises Mainz-Bingen.
Bereits ein Jahr nach seinem Unglück fasste er sich ein Herz. „Ich habe eine Selbsthilfegruppe in Heidelberg mitbegründet“, erzählt er. Der damals 21-jährige Student schloss sich mit anderen behinderten Kommilitonen zusammen und ging auf die Straße. „Wir haben auf die Missstände aufmerksam gemacht. Zu viele Barrieren standen uns im Weg.“ Dagegen ging der gebürtige Hamburger mit Entschlossenheit vor. In seiner damaligen Studentenzeit schaffte er es sogar, dass das Schloss Mannheim zu einer barrierefreien Stätte umgebaut wurde. „Das war damals keine einfache Sache“, sagt Jordan heute. Nach der Studienzeit zog es ihn nach Mainz - 30 Jahre lebt er bereits in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. „Ganz klar: Ich fühle mich als Meenzer.“ Seine eigentliche Mission begann eigentlich erst im Rhein-Main-Gebiet. Knut Jordan entfaltete seine Ideen, baute sich ein Netzwerk auf und kämpft für ein erleichtertes Leben für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. „Ich bin sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag in Einsatzbereitschaft. Bei mir klingelt ständig das Telefon.“ Über mangelnde Arbeit kann sich Jordan nicht beklagen. Ganz im Gegenteil. Der 59-Jährige ist froh, dass er zur Verbesserung in der Gesellschaft beitragen kann. „Ich fühle mich wohl, wenn ich anderen helfen kann. Die Dankbarkeit der Bürger bestätigt mich in meinem Tun“, erläutert Jordan. Arztpraxen, Restaurants, Schulen, Bahnhöfe, Museen, Kirchen, Schwimmbäder, Wohneinheiten. Mit all seiner Energie versucht er die Barrierefreiheit in den Köpfen der Menschen als unverzichtbar festzusetzen und Neu- und Umbauten zu veranlassen. „Ein Mensch mit Behinderung hat es schon schwer genug“, macht Jordan klar. „Deshalb möchte ich es ein bisschen einfacher gestalten.“ Der Abbau baulicher Barrieren und die Förderung der Gleichstellung älterer und behinderter Menschen im Landkreis Mainz-Bingen sind ihm jetzt schon in seinen zahlreichen Projekten gelungen. Tausend Ideen habe er noch, die er durchsetzen möchte. Tausend einfachere Wege schaffen und anderer ein Stück Lebensqualität zu geben – das hat sich Jordan vorgenommen. „Ich wünschte, dass auch andere Städte und Kreise in die Barrierefreiheit investieren würden. Gerne unterstütze und berate ich mit meiner Erfahrung“, bietet er an.


