"Nichts über uns, ohne uns!" Dieser Grundsatz der rheinland-pfälzischen Politik für behinderte Menschen gilt auch bei den Werkstätten. Deshalb lädt das Sozialministerium jährlich zu einer großen Werkstatträtetagung ein. Nach dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim war diesmal die SCHOTT AG in Mainz Gastgeber. Fast 100 Werkstatträte aus fast allen Werkstätten für behinderte Menschen konnte Landesbehindertenbeauftragter Ottmar Miles-Paul begrüßen. Sie waren nach Mainz gekommen, um sich intensiv mit ihrer Arbeit in den Werkstätten und der Verbesserung ihrer Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu beschäftigen.
Die Schott AG als führender Glashersteller bot dafür nicht nur einen guten Tagungsrahmen, sondern auch einen guten Einblick in die Unterstützung behinderter Beschäftigter im Unternehmen. Ermöglicht wurde den Gästen ein praktischer Einblick in die Arbeit des weltweit agierenden Unternehmens und damit den Werkstatträten sozusagen einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Dabei hatten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht nur die Möglichkeit zu erfahren, wie behinderte Menschen in der freien Wirtschaft arbeiten und was ein Unternehmen dafür tun kann. Sie bekamen darüber hinaus auch eine Reihe von Informationen darüber, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für den Weg aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gibt.
Sozialstaatssekretärin Jacqueline Kraege informierte über die Möglichkeiten des Budgets für Arbeit und die mittlerweile 72 Integrationsfirmen in Rheinland-Pfalz. Sie bot den Werkstatträten an, diese auch weiterhin bei der Suche nach neuen Wegen zur Selbstbestimmung und Teilhabe zu unterstützen.
Zuvor hatten sich die Werkstatträte in einer von vier Arbeitsgruppen intensiv mit dem Budget für Arbeit beschäftigt und vor allem Vorschläge für die Weiterentwicklung dieser Fördermöglichkeit zur gleichberechtigten Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt statt in einer Werkstatt für behinderte Menschen gemacht. "Diese Weiterentwicklung des Budgets für Arbeit, das mittlerweile von 174 Menschen in Rheinland-Pfalz genutzt wird, ist auch erklärtes Ziel der rot-grünen Landesregierung", schilderte Ottmar Miles-Paul. Der Landesbehindertenbeauftragte gab auch einen Überblick über die im Koalitionsvertrag formulierten Ziele zur Behindertenpolitik in Rheinland-Pfalz. In Sachen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstrichen die Werkstatträte, dass es dazu mehr Informationen und vor allem praktische Beispiele in den Medien geben müsse, damit die Konvention auch in den Werkstatträten ankommt. Diese könnten zum Beispiel selbst Aktionspläne zur UN-Konvention erarbeiten und sollten mehr Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung geben, meinten die Werkstatträte.
Die Vorsitzende der 2010 gegründeten Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Werkstatträte in Rheinland-Pfalz, Margret Moravec, machte in ihrem Bericht über die Arbeit der LAG deutlich, dass die Zusammenarbeit der Werkstatträte im Land enorm wichtig sei.

