
Videoportrait Ottmar Miles-Paul
Abschrift des Textes des Videoporträts des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz
Film von Stefanie Schneider
Ein Ohr, ein Bus, eine Mauer, eine Glocke
Ottmar Miles-Paul, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen:
Als Behindertenbeauftragter habe ich eine ganze Reihe von Aufgaben. Einmal muss ich gut zuhören können, da habe ich als Symbol ein Ohr. Ich muss die Eingaben prüfen, die behinderte Menschen hierher schicken. Ich bin viel unterwegs und muss ein Ohr dafür haben, was behinderte Menschen beschäftigt und muss dafür versuchen, Lösungen zu finden.
Ursula Wallbrecher, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Landesmuseum Mainz:
Wir sind hier im Landesmuseum Mainz, das ein Museum für alle Besucher sein möchte. Das bedeutet, dass es einerseits für mobilitätseingeschränkte Menschen den Zugang zu allen Objekten der Sammlung ermöglichen will und anderseits auch für jede andere Art von Behinderung Angebote machen möchte, beispielsweise gibt es hier so genannte "hands-on", das sind Objekte, die man anfassen darf, ja sogar anfassen soll.
Ottmar Miles-Paul:
Ich habe hier einen Bus, der die Gleichstellung symbolisiert. Ich muss dafür werben, dass behinderte Menschen gleichgestellt sind, dass die Gesetze umgesetzt werden, ja auch weiter entwickelt werden, wo es nötig ist. Ein Ohr, ein Bus.
Ursula Wallbrecher:
Beispielsweise haben wir hier dieses Gemälde von Peter Binoit mit dem Titel Blumenstück und Sie werden lachen, die meisten marschieren sofort zu diesem "hands-on", wo das Gemälde nochmals darauf abgebildet ist, obwohl das Original eigentlich ja schöner ist. Aber hier hat man nämlich die Beschreibungen der einzelnen Blumen, der Gegenstände auf diesem Stillleben. Das ist ja alles mit einer großen Symbolkraft.
Ottmar Miles-Paul:
Als drittes Symbol habe ich eine Mauer, die beschreibt die vielen Mauern in den Köpfen. Es gibt viele reale Mauern, die noch überwunden werden müssen, die Barrieren bilden für behinderte Menschen. Daran arbeite ich, diese Mauern, diese Barrieren zu überwinden, um möglichst gleichberechtigt in der Gesellschaft leben zu können, also mitten in der Gesellschaft. Es ist natürlich wichtig, dass alle Bereiche zugänglich werden und sich offen für die Bedürfnisse zeigen. Gerade im kulturellen Bereich gibt es da wichtige Herausforderungen. Denn das ist besonders wichtig; dort treffen sich die Menschen, dort lernt man die verschiedenen Kulturen kennen, ja dort entwickelt sich auch etwas weiter. Deshalb liegt mir am Herzen, dass wenn man ins Museum geht als Rollstuhlfahrer überall hinkommt, wo die anderen hinkommen, dass jemand Blindes, der ins Museum geht oder jemand Sehbehinderter wie beispielsweise ich, dass es auch Bildbeschreibungen gibt. "Audio-guides" nennt sich das.
Fernsehvortrag (mit Gebärdensprache):
Seien Sie herzlich willkommen im Landesmuseum Mainz, einem der ältesten Museen Deutschlands. In den nächsten zwei Stunden wollen wir Sie vertraut machen mit den Glanzpunkten unserer Sammlung, mit den "Highlights", wie man heutzutage gerne sagt. Wo Sie gerade stehen, da befand sich früher der kurfürstliche Marstall, die goldene Rosskaserne.
Ottmar Miles-Paul:
Ich stehe hier vor einem Bild der amerikanischen Freiheitsstatue im Rollstuhl. Die hat eine ganz große Bedeutung für mich, aber auch für viele andere behinderte Menschen, denn sie symbolisiert die Kultur des Stolzes und ich hoffe, dass diese Freiheitsstatue den Gedanken, dass alle Menschen gleich sind, teilhaben können, dass der auch mit Realität gefüllt wird.
Ursula Wallbrecher:
Was für Rollstuhlfahrer gut ist, ist auch für Kinder gut. Und wenn man so etwas da hat (Fernrohr, das man mit Hebel heranziehen kann), das reizt Kinder. Da wollen sie gerne mal dran. Jetzt können Kinder ran - und ich kann es auch - es ist einfach wunderschön.
Ottmar Miles-Paul:
Hier habe ich die Glocke, das heißt nämlich, ich muss viele Menschen wach rütteln, dass die Belange von behinderten Menschen von vorne herein und nachhaltig berücksichtigt werden.
Ende des Textes (Glocke wird geläutet)
Einblendung: Ein Film des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz, Referat Reden und Öffentlichkeitsarbeit.
